Die 83 ist halbiert

Halbe83.02Konstanzer stellten schon mehr als 43 Wohnungen für Flüchtlinge bereit – somit ist ein Meilenstein erreicht: Wir feiern Bergfest!

Zweieinhalb Monate nach Start der Kampagne „83 – Konstanz integriert“ ist ein Meilenstein erreicht: Konstanzerinnen und Konstanzer haben Flüchtlingen bereits 43 Wohnmöglichkeiten in privaten Unterkünften zur Verfügung gestellt. Das Kampagnenziel, für 83 Geflüchtete eine private Unterkunft zu finden, ist damit halbiert. Mit diesem Rückenwind startet die Initiative nun in die zweite Hälfte – weiterhin mit ihrem Motto „Zsamme gohts bessr“.

Die Freude unter den Mitarbeitern der Initiative „83 – Konstanz integriert“ ist riesig: „Wir haben nicht zu hoffen gewagt, dass wir schon nach zweieinhalb Monaten Bergfest feiern können“, sagt Till Hastreiter, einer der drei Initiatoren. Er freut sich mit seinen Mitstreitern sehr über die große Offenheit der Konstanzer und ihre Bereitschaft, Flüchtlingen ein Ankommen in Konstanz in einem neuen Zuhause zu ermöglichen. Die Kampagne ist in der Bürgerschaft auf positive Resonanz gestoßen: „Wir werden von vielen Seiten großartig und vor allem unbürokratisch unterstützt“, sagt Mitinitiator Prof. Andreas Bechtold. Nicole Dillschnitter, ebenfalls im Initiatorentrio, berichtet: „Viele Bürger unterstützen unseren Ansatz, dass gemeinsames Wohnen das beste Integrationssprungbrett ist, das es bei Migration geben kann.“

Anpfiff zu zweiten Halbzeit

Die Mitglieder von „83“ möchten zum einen Bürger ermutigen, Flüchtlingen bisher inaktiven Wohnraum wie zum Beispiel ein leerstehendes Kinderzimmer oder eine ungenutzte Einliegerwohnung anzubieten. Zum anderen hat die Initiative selbst ein dreiköpfiges Vermittlungsteam aufgebaut, das Mieter und Vermieter zusammenbringt, so dass das Verfahren für die Vermieter sehr vereinfacht ist. Wie das tatsächlich funktioniert, hat der Filmemacher Till Hastreiter in einem Animationsfilm dargestellt, der im Internet bereits mehr als 15.000 Mal angeschaut worden ist. Vermittelt werden anerkannte Flüchtlinge mit Bleibeperspektive, das heißt mit einer Aufenthaltserlaubnis. Die Miete wird in der Regel vom Jobcenter übernommen und ist damit sicher gewährleistet. Die Flüchtlinge sollen die Möglichkeit haben, im Kontakt mit Konstanzern Leben und Alltag in Deutschland unmittelbar kennenzulernen.

Die Leiterin des Vermittlungsteams Elena Atanackovic erläutert: „Wir bringen Menschen zusammen, die gut zueinander passen.“ Dabei spielen die Lebensumstände und der Alltag der Vermieter und Mieter ebenso eine Rolle wie beispielsweise gemeinsame Interessen oder Berufe. „Mit diesem ‚Matching‘ haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, wir bekommen teilweise begeisterte Rückmeldungen von den Vermietern. Das gemeinsame Wohnen ist oft eine Bereicherung für beide Seiten“, sagt Elena Atanackovic. Diese Art von Matching nimmt viel Zeit in Anspruch. Alle 43 bisher gemeldeten Zimmer sind ‚gematchd‘, mehr als 20 Geflüchtete haben ihr neues Zuhause schon bezogen, fast täglich finden neue Einzüge statt.

„Konstanz beweist sich als offene und tolerante Stadt“, sagt Till Hastreiter. Schließlich gibt es auch viele Konstanzerinnen und Konstanzer, die Flüchtlinge aufgenommen haben, unabhängig von der Vermittlung durch die 83. „Dieses private Engagement nutzt dem gesamten Gemeinwesen, nicht nur, weil wir Integration beschleunigen, sondern auch, weil wir die Kommune entlasten. Denn für 83 Flüchtlinge, die privat unterkommen, muss die Kommune keine Anschlussunterkünfte organisieren oder neu bauen“, ergänzt Nicole Dillschnitter.

Das Spektrum der Vermieter und des angebotenen Wohnraums ist weit: Neben dem WG-Zimmer unter Studierenden gibt es genauso die Einliegerwohnung einer Ärztefamilie. Oder zum Beispiel die vierköpfige Familie Best, die ein Zimmer mit Bad an einen 22-jährigen Eriträer vermietet hat. Küche und Wohnzimmer nutzt die vierköpfige Familie mit ihrem Mieter gemeinsam. Bests halten die Integration von Flüchtlingen für wichtig, um das Zurechtfinden in einer fremden Kultur zu erleichtern und die Bildung von Parallelgesellschaften zu vermeiden. „Wir kamen in vielen Diskussionen immer wieder zu dem Ergebnis, dass Integration nur über persönliche Kontakte zur Bevölkerung gelingen kann, sie ist eine Aufgabe jedes einzelnen Bürgers“, sagt Frank Best. Sie kamen für sich zu dem Schluss, dass es am besten wäre, jemanden bei sich aufzunehmen. Ihr Rat nach einigen Wochen des Zusammenlebens an mögliche Vermieter: „Hören Sie auf Ihr Herz! Trauen Sie sich, ja zu sagen, trauen Sie sich aber auch, nein zu sagen, wenn Sie ein ungutes Gefühl haben.“

Die Initiative geht nun in die zweite Halbzeit und wirbt um die nächsten 40 Zimmer. Die „83“ hat seit Start Mitte Januar mit verschiedenen Aktionen auf die Wohnraumvermittlung aufmerksam gemacht. Am deutlichsten über Kunst im öffentlichen Raum: An fünf Standorten in der Stadt, unter anderem an der Moschee, machen über drei Meter hohe Ziffern auf das Projekt aufmerksam. In einer Projektion auf den Münsterturm ist der jeweils aktuelle Stand der angebotenen Unterkünfte in einem Countdown zu sehen. Die Aktionen und der bisherige Erfolg der Kampagne fand in den Medien Interesse, unter anderem hat die Sendung „Kulturzeit“ auf dem ZDF Kulturkanal 3Sat einen achteinhalbminütigen Beitrag gesendet. Das Projekt findet auch in Konstanzer Einrichtungen große Unterstützung: Von den Kirchen über Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer bis zu Hochschulen und Vereinen. Spenden erhielt es von Privatleuten, den Serviceclubs und auch dem Konstanzer Schülerparlament. Schirmherr ist der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt.

In den kommenden Wochen lädt „83 – Konstanz integriert“ zu verschiedenen Veranstaltungen ein. Zum Beispiel heißt es am Sonntag, 10. April, um 11 Uhr im Foyer des Stadttheaters: „Noch Fragen? Konstanzer fragen Flüchtlinge – Flüchtlinge fragen Konstanzer“.

 

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