Wie Dialog helfen kann, Integration zu bewältigen

83_bechtold_andreas_nl

Wie Nicole Dillschnitter hat auch Andreas Bechtold als einer der drei Initiatoren von “83 – Konstanz integriert” einen familiären Hintergrund für sein Engagement. Im Interview sagt er, warum er in Begegnung einen Schlüssel zur Integration sieht und weshalb wichtig ist, dass die Kampagne Lärm macht.

Wie sind Sie persönlich zum Projekt gekommen und Mitinitiant geworden?
Es war Tills Initiative, der in Berlin einen Flüchtling in sine Wohnung aufnehmen wollte und so auf die Initiative Refugees welcome dort aufmerksam wurde. Wir kennen uns von Filmprojekten und kamen im Sommer auf die Idee, etwas Ähnliches in Konstanz zu unternehmen. Die Herausforderung für unsere Gesellschaft ist groß und da braucht es das Engagement der Bürger.

Haben Sie selbst eine Flüchtlingsgeschichte in der Familie?
Mein Vater, ein Donauschwabe, ist nach dem Krieg als kleines Kind aus Ungarn vertrieben worden. Das prägte ihn und motivierte ihn dazu, sich in den 90er-Jahren um Flüchtlinge zu kümmern. Er fand seine Geschichte in deren Geschichten wieder. Ich habe damals viele Flüchtlinge kennengelernt und fühle mich heute wieder aufgefordert, meinen Beitrag zur Integration zu leisten.

Aber weshalb ist Ihnen das Thema letztlich so wichtig, dass Sie so viel Zeit investieren?
Zum einen wegen meiner Familiengeschichte. Dann sehe ich mich auch als Christ in der Pflicht. Es gehört zur Barmherzigkeit, sich der Fremden anzunehmen. Und natürlich ist es eine große Aufgabe, der sich unsere Gesellschaft gerade stellen muss. Ich denke, dass wir uns jetzt engagieren müssen, damit die Integration klappt und die kommende Generation davon profitieren kann.

Wie haben bei Ihnen die Konstanzer auf Anfragen in Bezug auf die Initiative reagiert?
Bisher habe ich keine entmutigenden Erfahrungen gemacht. Im Gegenteil. Ich habe den Eindruck, dass Konstanz eine offene Stadt ist und auch bleiben will. Zudem sehen viele Menschen, dass Integration eine Aufgabe ist, bei der möglichst viele, jeder mit seinen Möglichkeiten, mitarbeiten soll. Denn wir haben ja keine Alternative. Das Grundgesetz schützt Menschen, die um Asyl bitten. Wenn wir also zusammenleben werden, vielleicht auch nur auf Zeit, dann sollten wir nicht dem Zufall überlassen, ob das klappt. Zudem brauchen die Flüchtlinge Hilfe dabei. Wir können viel tun, damit wir uns gegenseitig kennenlernen können.

Wie gehen Sie mit ablehnenden und vielleicht auch krassen Reaktionen um?
Bisher gab es noch keine. Ich denke, dass die meisten solcher Reaktionen aus Angst und Unkenntnis entstehen. Man sollte das erst einmal wahrnehmen und dann versuchen, ins Gespräch zu kommen. Ich glaube, dass die meisten Menschen sich bewegen und sich die Angst nehmen lassen, wenn sie die Sache genauer betrachten können.

Die Kampagne ist gespickt mit ungewöhnlichen Aktionen und macht viel Lärm – welche Bedeutung hatte dieser Punkt bei der Konzeption der Initiative?
Es ist wichtig, dass so viele Menschen wie möglich davon erfahren und ermutigt werden, ein Zimmer zur Verfügung zu stellen. Zum anderen wollen wir mit den Aktionen und Veranstaltungen viele Gedanken in die Stadt tragen, um zu erreichen, aus möglichst vielen Perspektiven auf Integration zu schauen. Sie sollen den Dialog in der Stadt lebendiger machen, auch in der Begegnung mit Flüchtlingen.

Was denken Sie, ist dringend dazu notwendig, dass Integration gelingt?
Begegnung! Vorurteile, Ängste werden auf diese Weise kleiner und unbedeutender. Daraus entstehen Chancen und Möglichkeiten für ein Zusammenleben.

Wie fügt sich 83 in das Netzwerk der bereits bestehenden Initiativen ein?
Wir sehen uns als Teil der vielen Initiativen, die sich in Konstanz für Integration engagieren. Unser Hauptaugenmerk dient der Vermittlung von Wohnraum und der Kampagne, die dazu ermutigen soll und das Thema in die Stadt trägt. Wir denken, dass davon auch die anderen Initiativen profitieren.

Was Sind Ihrer Meinung nach die häufigsten Bedenken von potenziellen Vermietern?
Ich denke, es ist wichtig zu wissen, dass es sich um einen üblichen Mietvertrag handelt, wie mit einem Einheimischen auch. Mit den üblichen Bedingungen. Und die Miete kommt entweder vom Jobcenter und wenn der Flüchtling schon arbeitet, dann vom ihm. Zudem betreut 83 Vermieter wie Mieter für etwa 3 Monate, um mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s