„Hören Sie auf Ihr Herz!“

Seit dem 1. Februar wohnt der 22-jährige Eriträer Abdulahi Mohammed bei Familie Best in Konstanz. Die vierköpfige Familie hat ihm ein 24 Quadratmeter großes Zimmer mit eigenem Bad vermietet, Küche und Wohnzimmer nutzen sie gemeinsam. Vormittags besucht Abdulahi ein Programm in der Zeppelin-Gewerbeschule, um seinen Hauptschulabschluss nachzuholen, nachmittags ist er als Praktikant in einer KFZ-Werkstatt. Im Interview sprechen Alexa und Frank Best darüber, weshalb sie diesen Weg gegangen sind und was ihrer Meinung nach für ein Gelingen wichtig ist.

 

best_neu_blogFrank Best und sein neuer Mitbewohner Abdulahi Mohammed.

Was hat Sie veranlasst, einen Flüchtling aufzunehmen?
Wir haben über viele Wochen darüber diskutiert, wie man der gegenwärtigen Situation begegnen soll. Wir halten Integration für enorm wichtig, um die Bildung von Parallelgesellschaften zu vermeiden. Und wir kamen immer wieder zu dem Ergebnis, dass Integration eine Aufgabe jedes einzelnen Bürgers ist, sie gelingt nur über persönliche Kontakte. Dies kann zum Beispiel auch über eine Patenschaft geschehen. Diese hätten wir jedoch als Familie mit zwei kleinen Kindern nicht in der notwendigen Intensität wahrnehmen können. Bei allen Überlegungen kamen wir immer wieder zu dem Schluss, dass es am Besten wäre, jemanden bei uns aufzunehmen. Dadurch, dass Abdulahi bei uns im Haus wohnt, findet der Kontakt ganz spontan ohne festgelegte Termine statt.

Welche Befürchtungen gingen Ihnen vielleicht anfangs durch den Kopf?
Natürlich haben wir viel darüber gesprochen, was der Einzug eines Flüchtlings bei uns verändern wird. Wir sind beide berufstätig und den ganzen Tag aus dem Haus. Deshalb war es uns wichtig, einen Mitbewohner zu bekommen, der ebenfalls einen geregelten Alltag hat. Wir überlegten, wie ein Mitbewohner unser Privatleben einschränken wird, wie sich eingespielte Tagesabläufe ändern werden. Und wir fragten uns, ob wir möglicherweise mit der Traumatisierung durch Kriegs- und Fluchterfahrungen konfrontiert werden und ob wir damit umgehen können.

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Alexa und Frank Best auf der Eröffnungsveranstaltung von „83 – Konstanz integriert“.

Was hat Sie letztlich überzeugt, den Schritt zu gehen?
Das lässt sich schwer sagen, da es ein längerer Prozess war. Bei allen Diskussionen kamen wir doch immer wieder zu dem Ergebnis, dass wir einen Flüchtling aufnehmen können und möchten. Wir haben uns immer wieder in verschiedenen Alltagssituationen gefragt, wie es wäre, jetzt noch einen Mitbewohner im Haus zu haben.

Was hat Sie beim ersten Treffen optimistisch gestimmt, dass das Zusammenleben klappt?
Unser erstes Treffen mit Abdulahi fand in einem Café in Konstanz statt. Mit dabei war Jelena Atanackovic vom 83-Vermittlerteam und die Patin von Abdulahi, die ihn bereits in den letzten Monaten begleitet hat. Auch wenn das erste Treffen von beiden Seiten aus noch etwas steif war, hat Abdulahi auf uns sofort einen sympathischen Eindruck gemacht. Und wir wohl auch auf ihn. Unsere Tagesabläufe passten gut zueinaner und gewisse Sprachkenntnisse waren auch schon vorhanden. Bei Geschlecht und Alter hatten wir uns nicht festgelegt. Für uns war nach dem Treffen recht schnell klar, dass wir Abdulahi als Mieter aufnehmen möchten.

Wie liefen die Vorbereitungen und wie hat Ihnen das 83-Team dabei helfen können?
Es sind dann doch recht viele Formalia zu klären gewesen. Zunächst musste sein Aufenthaltsstatus geklärt sein, er ist nun anerkannter Flüchtling. Dann haben wir das Zimmer freigeräumt, den Mietvertrag vorbereitet und vom Jobcenter genehmigen lassen. Schließlich standen die Ummeldung und der Abschluss einer Haftpflichtversicherung an. Das 83er-Team hat uns insbesondere vor dem Einzug begleitet und nachher regelmäßig nachgefragt, ob alles in Ordnung ist.

Wie waren die ersten Tage?
Sehr nett und freundlich. Wir konnten die anfänglichen Hemmungen schnell abbauen und Vertrauen aufbauen, indem wir uns aneinander herantasteten. Wir leben nun wie in einer WG zusammen, und kochen und essen am Abend hin und wieder miteinander. Jeder hat seinen Freiraum. Abdulahi hat großes Interesse, schnell Deutsch zu lernen und deshalb sprechen wir viel miteinander.

Was können Sie anderen Interessenten aus Ihrer jetzigen Erfahrung heraus raten?
Hören Sie auf Ihr Herz! Trauen Sie sich, ja zu sagen, trauen Sie sich aber auch, nein zu sagen, wenn Sie ein ungutes Gefühl haben. Achten Sie auf die Kompatibilität des Alltags.

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